Loading …

Talking in Symbols

Bild-Karten-Set für krebskranke Kinder

Kinder haben hohe Heilungschancen, wenn sie Krebs haben. Besonders in Österreich ist die Behandlung in Kliniken sehr gut und vor allem ganzheitlich. Denn es geht nicht nur um die medizinische Behandlung, sondern auch um die gute Kommunikation mit psychologischer Begleitung in einer absoluten Ausnahmesituation.

Im Spiel sind viele Beteiligte. Das Kind bzw. jugendliche PatientInnen stehen im Mittelpunkt. Sie wollen wissen, wie ihre Diagnose und Perspektive ist, was als nächstes passiert und wie sie aktiv an ihrer Genesung mitarbeiten können. Auch für Eltern ist Information absolut essentiell. ÄrztInnen, PflegerInnen und das psychosoziale Team brauchen Feedback von den jungen PatientInnen, um rasch & richtig reagieren zu können.

Sprache ist dabei oft eine Barriere. Migrationshintergrund, ein anderes kulturelles Verständnis, Schwierigkeiten, sich zu artikulieren oder auch Wahrnehmungseinschränkungen aufgrund von Nebenwirkungen der Therapie stören den Kommunikationsfluss.

Das bildbasierte Tool hilft mit illlustrierten Bildern, die Kommunikation im Klinikalltag intuitiver und verständlicher zu gestalten. Aktuell ist es in unterschiedlichen Kliniken in Mitteleuropa im Einsatz und wurde 2018 mit dem Occursus Förderpreis ausgezeichnet.

User-Centered Design Research

Die Projektidee für das neue Tool ergab sich direkt aus der Praxis. Kommunikative Herausforderungen zwischen dem Behandlungsteam, den PatientInnen und Eltern sind im klinischen Alltag überall präsent.

Deshalb wurde eine Kooperation mit dem psychosozialen Team der Pädiatrischen Neuroonkologie der Universitätsklinik für Kinder und Jugendheilkunde am Allgemeinen Krankenhaus Wien und der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe gestartet, um gemeinsam ein professionelles Tool zu entwickeln.

Über ein Jahr wurden in Workshops mit ÄrztInnen, PsychologInnen und vor allem den Kindern die wichtigsten Kommunikationsinhalte gesammelt, in den Kategorien Grundbedürfnisse, Empfindungen / Symptome, Emotionen, Therapie und Angebote in der Klinik, Freizeit, medizinische Begriffe, Verbote, Termine und Ausgang strukturiert, und von uns illustriert.

Startpunkt für das Design des Bild-Karten-Sets war ein Workshop für junge PatientInnen auf der Sonneninsel, einem Nachsorgezentrum der Kinderkrebshilfe in Oberösterreich. Spielerisch wurden hier die zentralen Kommunikationsthemen von den Kindern zunächst selbst gezeichnet und mit ihnen diskutiert – eine erste, aussagekräftige Sammlung zu persönlichen Wahrnehmung unterschiedlicher Therapiesituationen legte die Basis für unsere weitere Designarbeit.

Kinder im Workshop zeichnen

Visuelle Sprache

Um die geeignete visuelle Sprache zu finden, legten wir zwei Richtungen an: 

Schematisch — reduziert, basierend auf ikonischen Zeichen

Illustrativ — spielerisch, basierend auf Metaphern, pro Bild wird eine Geschichte erzählt

Systematische Feedbackschleifen zeigten, dass die ikonischen Zeichen einfacher und eindeutiger gelesen werden.

Emotionen ausdrücken

Nicht nur Sachinhalte werden vermittelt – es geht auch darum, Emotionen zu beschreiben. Basis war eine Darstellung von Emotionen aus der Publikation „Mein Logbuch – Ich kenne mich aus!“, einem Tool zur umfassenden Information junger PatientInnen. Es stellte sich heraus, dass die Anzahl der klar unterscheidbaren Emotionen im Rahmen der nonverbalen Kommunikation reduziert werden muss . 

Bild: Sandra Klepp, in: Weiler-Wichtl & Fohn-Erhold, „Mein Logbuch - Ich kenne mich aus!"

Persönliche Identitfikation mit Charakteren

Zentral war, allen jungen PatientInnen ihr persönliches Set zu geben. In Tests stellte sich heraus, dass auf unterschiedlich auf Personalisierung reagiert wurde. Dazu testeten wir verschiedene Charaktere. „Ich bin ein Mädchen“, „Ich bin eine Junge“ oder „Ich bin ein Tiger“ wurden ähnlich positiv bewertet. Wir entschieden, drei verschiedene Sets mit diesen ProtagonistInnen zu drucken. Am Anfang der Therapie bekommen alle ihr persönliches Set und schreiben ihren Namen auf das Cover.

Einleitung

Im Set enthalten sind auch die zentralen medizinischen Interaktionen. Diese machen es den ÄrztInnen leichter, die Behandlungsschritte zu erklären.

Dreh-Kalender und -Uhr

Das Set wird durch den Dreh-Kalender und eine Uhr komplettiert – so lassen sich Termine einfach vereinbaren. Sie sind einfach zu bedienen und wurden mit in den Fächer integriert.

Gebündelt in einem Fächer, lassen sich alle wichtigen Kommunikationsssituationen im klinischen Alltag perfekt begleiten. Was will das Behandlungsteam mitteilen? Wie fühlt sich da Kind? Was passiert als Nächstes? Was ist erlaubt / was nicht?

Dialoge aus kombinierten Bildern

Das Tool aus rund 70 Einzelbildern lässt sich in der Praxis spielerisch adaptieren – so lassen sich Situationen oder Abläufe durch die flexible Kombination von Zeichen immer wieder neu zusammenstellen – kurze Dialoge entstehen.

Ein Forschungs- und Designprojekt mit der Univ. Klinik f. Kinder- und Jugendheilkunde / Pädiatrische Neuroonkologie am AKH Wien und der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe, Initiierung der Projektidee: Dr.in Liesa Weiler-Wichtl & Mag.a Verena Fohn-Erhold

Weitere Infos zur direkten Unterstützung des Projekts
www.kinderkrebshilfe.at

Muh!